Antihormon-Therapie: Tamoxifen oder Aromatasehemmer?

Wer hormonbasierten Brustkrebs hat(te), kommt um eine  antihormonelle Behandlung nicht herum. Die Antihormone docken sich an die Rezeptoren der Tumorzellen an, so dass deren Wachstum verhindert wird. Tamoxifen verhindert die Östrogenbildung in den Eierstöcken. Aromatasehemmern die in den Muskeln und im Knochenmark.

Gute Sache eigentlich! Dummerweise lauern auch hier die Nebenwirkungen gleich um die Ecke. Es reicht schon, sich beim Lesen der Beipackzettel auf die „sehr“ und „häufigen“ Nebenwirkungen zu beschränken. Thrombose oder Krebs der Gebärmutterschleimhaut bei Tamoxifen – will man nicht wirklich. Da klingt die Osteoporose bei Aromatasehemmer ja fast symphatisch.

In der Praxis sieht das aus: Mit Tamoxifen habe ich starke Hitzewallungen, das ist unangenehm. Schlimmer sind aber die Schlafstörungen nachts. Die Liste meiner Therapieversuche dagegen ist mittlerweile lang: Lavendelkissen, Salbeitee, Hypnose, Tomatensaft, homöopatische Tabletten, Hanfblütentee, eine sehr lange Reihe von Hörbüchern und natürlich  Schlaftabletten. Ich probiere alles aus, was empfohlen wird. Aber helfen tut nichts. Konzentrationsstörungen und depressive Schübe kommen hinzu. Am Ende einige ich mich mit meiner Onkologin auf einen Wechsel zu Aromatasehemmer.

Nach 8 Wochen Letrozol sind die Schlafstörungen definitiv besser, ich sehe nicht mehr aus wie ein Nachtgespenst. Hurra! Aber?

Jetzt habe ich krasse Muskel- und Gelenkschmerzen, es gibt Tage, an denen ich im Schneckentempo durch die Gegend schlurfe. Beim Yoga halte ich keine halbe Stunde durch, nachts schmerzt der Körper, dass ich mich von einer Seite auf die andere drehe. Ich mache zwei bis drei Mal die Woche Sport, habe aber das Gefühl immer unsportlicher zu werden.

Letzte Woche die obligatorische Knochendichtemessung. Obwohl ich scheiß Krebs hatte, gehe ich immer noch entspannt zu jeder Untersuchung. Ich glaube einfach nicht, dass ich irgendetwas habe (ich bin nicht mal sicher, ob ich an Krebs glaube). Nevertheless: Ich habe Ostereoporose, Therapie wird sofort empfohlen.

Äh – ach so? Ist das eine schlimme Krankheit? Knochenschwund hört sich ja nicht toll an, aber ich kann das überhaupt nicht einschätzen.

Die Onkologin hängt mich an den Tropf mit dem nächsten Medikament. Am nächsten Morgen fühle ich mich ein bisschen wie nach der Chemo, mir ist übel, ich habe Kopfschmerzen. Das holt die Erinnerung an’s letzte Jahr zurück.

Soll ich die Tabletten absetzen? Welches Risiko ist höher – Nebenwirkungen oder Rückfall? Soll ich mein Leben ändern, keinen Alkohol mehr trinken, Zucker meiden und nur noch Gemüse essen?

Ganz sicher glaube ich, dass gesunder Schlaf und ein stressfreies Leben Einfluss auf mein Imunsystem haben. Das hatte ich in den letzten Wochen nicht mehr im Griff.
Am Sonntag Meinungsverschiedenheit mit meinem Boy-Friend, der gleich nach dem Aufstehen auf’s Sofa lesen will. Ich will, nein ich MUSS raus in den Wald! Jeder steckt in seinem eigenen Film fest.

Ich fahre raus, laufe durch den Wald. Auch wenn es einiges zu besprechen gegeben hätte, ist es gut, dass ich allein bin. Ein Umstand, an den ich mich immer mehr gewöhne. Der See, der Wald, die frische Luft  – ich komme zur Ruhe und treffe Entscheidungen, die ich seit Wochen vor mir herschiebe. Egal, was ich in meinem Leben letzlich ändere, eines ist sicher: Die Natur hilft schon mal ein Stück weiter!

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USA – Die letzten Stationen

Inzwischen sind wir natürlich schon zurück und der Berliner Alltag hat uns wieder.

Nur damit wir nicht den Rest unseres Lebens im Death Valley  zubringen müssen, hier noch schnell den Rest der Reise:

Über den Tioga-Pass durch die Berge der Sierra Nevada – Fahrten rauf und runter mit sagenhaften Ausblicken.

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Durch den Yosemity Nationalpark mit den großen Mammutbäumen und zwei bis drei anderen Touristen:

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Und wieder zurück „nach Hause“- wie wir das Haus in Saratoga inzwischen nennen.  Boldern im Castle Rock, Shopping in Haight Ashbury in San Francisco:

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und ein letztes Mal Highway 1 mit seinen Wahnsinns-Stränden:

 

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Vor allem: Viel zu WENIG gesehen. Das war nicht mal ein Bruchteil von Kalifornien! Kein Grand Canyon, nicht in Las Vegas. R. und ich hätten sicher noch mehr Kilometer geschruppt und Motels unsicher gemacht, aber die Kids wollten eben lieber in den Pool. Tja – war auch schön.

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Heiße Köpfe im Death Valley

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Nach San Francisco geht es auf in Richtung Morro Bay. Leider ist der Highway 1 gesperrt, so dass wir im Landesinneren fahren müssen. Am Meer in Morro Bay ist es kalt – ca. 18 Grad. Nach einem Abstecher zum Ragged Point –  an dem Meer und Berge aufeinander treffen – fahren wir weiter nach L.A., wo die Mädchen unbedingt zum Walk of Fame und Venice Beach wollen. Sie hoffen, dort dem einen oder anderen Star über den Weg zu laufen, treffen stattdessen auf Hunderte von Touristen. Der Strand ist schön und das Meer ist warm, wir stürzen uns in die meterhohen Wellen und holen uns alle einen Sonnenbrand.

Am nächsten Tag geht es durch den unvermeidlichen L.A.-Stau ins Death Valley, dass mit 107 Grad Fahrenheit (42 Celsius) für die Sommermonate eigentlich recht moderat temperiert ist. Trotzdem ist jedes Aussteigen aus dem Auto eine Herausforderung. Mein Boyfriend rastet völlig aus (als „Wüstentyp“ hatte ich ihn bisher noch nicht identifiziert), er schleppt uns von Sanddüne zu Sandüne. Seitdem ich die Schlappe in der Familie bin, hat er den Part des Hyperaktiven übernommen.

Nach Zabriskie Point und Badwater (tiefster Punkt der westlichen Hemisphäre) streikt der Rest der Familie. Ich habe die Autoschlüssel und lasse ihn nicht mehr aus dem klimatisierten Auto. In Lone Pine 5er Zimmer, die Familie hat  Kopfschmerzen, ich sitze mit zwei amerikanisch-mexikanischen Pärchen vor dem Motel und trinke „auf die richtige Art“ Tequila (ausatmen, T. hinterkippen, Orangenscheibe, Stück Schokolade).

Am nächsten Morgen eskaliert die Familienstimmung bei McDonald. Keiner hat gut geschlafen, R. hat ganz andere Bestellungen bekommen, mir geht das W-LAN-Thema auf den Wecker. Ich setze das Tamoxifen ab, weil ich kein Bock mehr habe auf wache Nächte im Urlaub.

Die Stimmung bessert sich am June Lake – einem kristallklaren Bergsee, der kalt und wunderschön ist. Wir unterhalten uns mit einem Lehrer über Tax, Fußball und Nerd-Kids. Am Abend geht es mit freiwilligen Familienmitgliedern zum Mono Lake – einem Salzsee mit bizarren Kalktuff-Türmchen. Das Licht kurz vor Sonnenuntergang ist amazing – mit R.s Handy renne ich von Stein zu Stein… WARUM habe ich keine Kamera dabei?

 

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California Dreaming

23Dieses Jahr also USA statt Uckermark! Nach elf Stunden Flug, zwei Stunden Warten auf die Einreise, eine Stunde auf das Mietauto und einmal Verfahren kommen wir nach 16 Stunden erledigt bei unseren Tauschpartnern an. Dafür erwartet uns ein Haus in Saratoga mit 5 Zimmern, 2 Bädern und einem riesigen Pool.

Unser erster Ausflug geht nach San Francisco, wo ich schon am Start mein Handy verliere. Das bedeutet: kein Telefon, aber auch keine Uhr, keinen Fotoapparat, keine Notizen, keine Passwörter… Zur Freude der Kinder habe ich mich auf der Suche nach einem neuen Handy zur Shopping Queen entwickelt, sie begleiten mich begeistert in jede Shopping Mall. Auch das amerikanische „Lost And Found“ im Untergeschoss des Justizgebäudes mit bewaffneten, aber freundlichen Beamten ist durchaus sehenswert.

Tatsächlich finde ich hier ALLES spannend, auch den Supermarkt. Die Bevölkerung ist so selbstverständlich kulturell bunt gemischt und die Menschen extrem entspannt. Kein Tag, an dem wir nicht mit irgendjemandem ein Schwätzchen halten. Kein Wunder vielleicht, wenn man in so einer sonnigen Ecke lebt! Alle bisher gehörten Kischees sind irgendwie überholt. Natürlich ist mir klar, dass Kalifornien nur ein Staat in den USA ist. Aber die neue Message ist: Ich habe gar keine Ahnung, um mir ein Urteil zu bilden. Ich schaue einfach nur.

Um ein Jahr haben wir diesen Urlaub nun verschoben! Eigentlich wären wir jetzt irgendwo anders. Wo wohl? Werden wir nie erfahren. Genauso wenig, was das alles für einen Sinn hatte. Ich nehme jeden Tag meine neun Tabletten – Tamoxifen und den Rest gegen die Nebenwirkungen derselben. Wenn sich mein Fitnesslevel wieder bei normal einpegelt und ich wieder schlafen kann, bin ich zufrieden.

An der Bay von San Francisco zu stehen, übertrifft alle meine Erwartungen. Und dann taucht in der Ferne auch noch ein Wal auf… ! Auf jeden Fall ist es toll, das zu erleben!

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Wer findet ihn?

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1. Juni – Einjährige Jubiläen

Am 13. Mai hatte ich mein einjähriges Diagnose-Jubiläum. Bei Bekannten in der Uckermark versuchte ich vergeblich, den Rest der Mannschaft zum Schauen des Eurovision Song Contest zu überreden. Im Jahr davor hatte ich an diesem Tag nach meinen Befund eine „Krebsparty“ veranstaltet.

Damit ist keine meiner Genesungsparty-Versuche wirklich geglückt und ich gebe es hiermit offiziell auf. Immerhin ließ sich mein (beinahe) 15jähriger Sohn von meinem traurigen Anblick allein auf dem Sofa erweichen und setzte sich ritterlich dazu. Etwas, was im Moment nicht gerade seinem Coolness-Status entspricht.

Und so ist der Mai vergangen und beinahe an jedem Tag war irgendetwas „ein Jahr her“.

Ralfs Geburstag – kurz nach der Biopsie – den ich mit meiner schlechten Laune versaut hatte. (Dieses Jahr habe ich mich vorbildlich verhalten.)

Das Liegen im Park kurz danach, als wir uns wie „aus der Zeit gefallen“ fühlten und mir alle anderen Menschen gesund und glücklich erschienen.

Der Freitag, der 13. – als mich die Ärztin gemeinsam mit der Krankenschwester aus dem Wartezimmer abholte. (Inzwischen habe ich sehr viel Zeit in Wartezimmern verbracht.)

Die Paddeltour mit einer Freundin, bei der das Wort „Krebs“ wie eine Wolke über uns lag und wir beide das Thema erst am Ende unseres Treffens ansprachen.

Und meine Haltung im vergangenen Mai – etwas zwischen kämpferisch und trotzig, die mich Sätze sagen ließ wie: „Krebs ist auch nur eine Krankheit!“ Auch wenn das trotzdem stimmt, würde ich heute eher sagen: War ich jung und naiv!

Was so eine Diagnose tatsächlich bedeutet, weiß man erst hinterher und das ist gut so. Wichtig ist nur, dass man durchkommt und der Scheiß-Krebs sich anschließend verkrümelt hat!

Und natürlich die Frage: Was hat sich durch diese Krankheit verändert? Darüber brüte ich noch. Definitiv habe ich aber nicht Gitarre gelernt, bin nicht gesegelt oder auf keinen Berg gestiegen.

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24. April: Krankenhaus-Klappe, die letzte und Tschüssi Port.

Kein Mensch ist gerne im Krankenhaus. Ich hingegen freue mich seltsamerweise jedes Mal fast darauf.

Der Hauptgrund scheint zu sein, dass ich jede Verantwortung abwerfen kann. Denn ich „müsste“ ziemlich viel. Da ist „Super-Mutter“ sein, die sich mutig der Tiefkühlpizza entgegen wirft und täglich frisch und biovegan kocht nur der kleinste Teil davon. Von „krebsfreier Ernährung“ reden wir hier noch gar nicht.

Weiter geht’s: die eigene Webseite aufmöbeln, Englisch lernen, unzählige Sport-Übungen absolvieren, Rechnungen bezahlen, die Steuer … Kann man im Krankenhaus ja leider alles nicht machen.

Auch mag ich dieses reduzierte Leben, bei dem man nur das Notwendigste dabei hat. Bedient werden ist auch nicht übel, wenn man andererseits auch nicht gerade von „Privatsphäre“ reden kann. Wer hier alles zu jeder Zeit in dein Zimmer stürzt… Auch könnte ich mir ein anders Mittag als Truthahn mit Bratensoße und zerkochtem Brokkoli vorstellen.

Fiese Krankheit, die einem ein Jahr unfreiwilligen Rückzug aufdrückt. Was ich trotzdem in diesem Jahr alles getan, gearbeitet und erledigt habe … manches davon hätte ich lassen sollen. Und doch ist das kein Vergleich zu meinem Gedankenkino, wozu ich dieses Jahr alles so „nutzen“ wollte. In meinem Tagebuch den Satz gefunden: „Krebs ist offensichtlich kein Sport-Parcour“. Na immerhin Erkenntnis!

Nun ist seit meiner ersten OP fast ein Jahr vergangen. Endlich raus mit dem Port. Die Bestrahlungsschäden sind äußerlich verschwunden, die Chemo-Nachwirkungen haben sich minimiert, die Haartolle hat fette 3 cm, der Busen sieht nicht mehr aus wie bei Picasso.

Wenn auch der Blick aus dem Fenster (Friedhof) nicht gerade optimistisch stimmt, war dieser letzte Akt ein Befreiungsschlag! Kunststück, dass ich mich bisher nicht freuen konnte – tatsächlich ist das Stück erst jetzt zu Ende! Fühlt sich noch immer nicht an wie Party, aber ist schon um vieles leichter geworden! Ab nächster Woche gehe ich wieder arbeiten. Na schaun wir mal, wie es wird…

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10. April 17 – Frühling und Rehabilitation

20170410_154719Bringen wir es auf den Punkt: Der Winter war Scheiße! Obwohl sich der Behandlungsmarathon dem Ende näherte, konnte ich mich kaum freuen.

Stattdessen: Hadern mit der Chemo und deren Folgen, Schlafstörungen bis hin zur Depression. Die Auflösung meiner GbR, Krankenkassengezicke und Zahlungsunlust von Kunden haben das nächtliche Stimmungsbild nicht gerade aufgehellt.

Nun also die vorletzte Episode: eine sportbetonte Reha an der Ostsee. Leider ist das keine individuelle Maßnahme, sondern eher ein Betriebsausflug für Faule mit Sportdefizit. Trotzdem haben mich Venengymnastik, Schwimmen und unendliche Treppen der normalen Existenz wieder näher gebracht.

UND: Es ist Frühling! Die Kombination von Sonne und leeren Stränden war mir bisher unbekannt und ist einfach unbeschreiblich.
UND: Andere Menschen und andere Jobs haben sich im letzten Jahr als uneingeschränkt verlässlich erwiesen. Das hat mich durch die letzten Meter getragen!

Deshalb jetzt und hier: DANKE an euch! Für eure Nachfragen, unzählige Kaffee-Einladungen, Post-OP-Massagen, Job-Aufheben, Krankenhaus-Besuche, geborgte Bücher, Kopfrasuren, sehr viele Blumen, Schlechte-Laune-Ertragen, Spaziergänge mit und ohne Hund, Urlaubskarten, spontane Putzangebote, Königsberger-Klopse, Befragungen von Fachkolleginnen, Tüten-Schleppen, Himbeer-Marmelade, Serien-Empfehlungen und sehr viele Ohren! Ihr seid super!

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